Streit um Nilwasser droht zu eskalieren
Der Nil gilt als der längste Fluss der Welt, weshalb man eigentlich davon ausgehen könnte, dass der Strom genügend Wasser für alle führt. Ein bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschlossenes Abkommen, damals noch unter Federführung der seinerzeit amtierenden Kolonialmacht aus Großbritannien, verhindert jedoch auch heute noch eine gleichmäßige Nutzung des Nilwassers. Ägypten und der Sudan dürfen laut dem Vertragswerk auf den Großteil des Nilwassers zugreifen, während sich die südlichen Anrainer kaum bedienen dürfen.
Ein soeben in Sharm el Sheikh (Ägypten) abgehaltenes Gipfeltreffen sollte die Interessen der beiden Lager - Ägypten und der Sudan einerseits sowie die südlichen Nil-Anrainer wie z.B. Äthiopien, Burundi, DR Kongo, Eritrea, Kenia, Kongo, Ruanda, Tansania oder Uganda - näher zusammenführen. Erreicht wurde jedoch eher das Gegenteil, die Kluft zwischen den Fronten scheint tiefer als jemals zuvor.
Ägypten und der Sudan sind nach wie vor nicht bereit, von ihrer privilegierten Position abzurücken, während die südlichen Nil-Anrainer auf ihre schlechte Situation aufmerksam machen. Zahlreiche Entwicklungsprojekte in den benachteiligten Ländern seien deshalb ins Stocken geraten. Kaum besser dürfte die Situation im kommenden Jahr werden, falls es tatsächlich zur Abspaltung des Süd-Sudans und damit zur Gründung eines neuen Staates am Nil kommen sollte. Im schlimmsten Fall könnte sich der bisher noch auf diplomatischer Ebene ausgetragene Streit um das Nilwasser zu einem militärischen Konflikt ausweiten.